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Pisanische Geschichten Heute: Mister Twitter Es ist noch nicht allzu lange her, wir befinden uns in der ersten Dekade des Internets. Web 2.0 Anwendungen waren noch nicht fester Bestandteil unseres Alltags, die Generation Facebook war aber schon am Simsen. Twitter war guten Englischschülern lediglich als Gezwitscher bekannt. Es ist noch nicht allzu lange her, da war der Mensch schon genauso neugierig wie heute und musste seine Neugier auf andere Weise stillen. Es ist noch nicht allzu lange her, als Giorgio, ein sympathischer Pisaner fortgeschrittenen Alters, einen Prototypen des System Twitter in der Via Corridoni in Pisa testete und sich damit rückwirkend den Spitznamen Mister Twitter verdient hat. Was genau rechtfertigt Giorgios Spitznamen aber denn nun?
Die Via Corridoni in Pisa gehört zweifellos nicht zu den reizvollsten Gegenden des Städtchens, das primär durch seinen schiefen Turm bekannt ist. Vom Flughafen Galileo Galilei kommend führt sie zum Bahnhof von Pisa – Pisa Centrale. Charakteristisch für Quartieri, die sich in der Nähe des Bahnhofs befinden, ist es meist, dass sie nicht durch vollkommene Schönheit bestechen. Lebhaft sind sie aber dann doch, und eben dadurch bieten sie Geschichten und Neuigkeiten einen idealen Nährboden. In der Via Corridoni in Pisa gibt es drei Cafes. Eine gute Bar zeichnet sich in Italien nicht nur durch ihren guten Espresso aus, sondern auch durch ihren Barista. Der Barmann ist nämlich nicht nur Mittel zum Zweck (Mi fai un caffè! Mache mir doch bitte mal einen Espresso), sondern auch der Ansprechpartner für kleine private und politische Diskurse am Morgen (Ma tua moglie, come sta? Wie geht’s deiner Frau?; Hai visto la partita ieri sera? Hast du die Partie gestern Abend gesehen?). Ja, man könnte ihn fast schon als Volkspsychiater bezeichnen. Damit geht einher, dass er die potentielle Informationsquelle schlechthin für Neuigkeiten (ital. novità) der Stadt ist. Und genau das hatte Mister Twitter erkannt. Jeden Morgen gegen 8.00 Uhr drehte er seine Runde in der Via Corridoni. Ein kurzer Blick in die erste Bar, ein freundliches Buongiorno und die Frage „qualche novità?“ (Gibt’s was Neues?). Die kurze Antwort des Barista und weiter ging es. Ein kurzer Blick in die zweite Bar, ein freundliches Buongiorno und die Frage „qualche novità?“. Die kurze Antwort des Barista und weiter. Ein kurzer Blick in die dritte Bar, die Frage – genau die – und weiter. Beharrlichkeit kennzeichnet das Engagement eines Mister Twitter, denn um dem Motto, zu jeder Zeit an jedem Ort über alles zu informieren und informiert zu sein, gerecht zu werden, darf es keine Pause geben. Und so drehte Giorgio auch abends um 18 Uhr noch seine inzwischen zehnte Runde, immer mit der kurzen und prägnanten Frage: „qualche novità?“. Was Mister Twitter mit den ganzen Neuigkeiten gemacht hat? Vielleicht findet die Generation 2.0 darauf irgendwann eine Antwort. Wir wissen aber jetzt auf jeden Fall, dass der Begriff qualche (einige) im Italienischen immer mit einem Substantiv im Singular steht. Spätestens nächste Woche Sonntag solltet ihr Euch wieder die Frage „qualche novità?“ stellen und schauen, was es Neues in unserem Blog gibt. Bis dahin, tanti saluti, Euer Reisedienst-Weimer.de! |






